Unser Wunsch nach Intimität und der selbst geschaffene Mangel

Ich glaube, die meisten Menschen wünschen sich mehr Intimität, Kuscheln und Sex. Ist es nicht seltsam, das wir das weniger tun als wir möchten, obwohl wir nur einen Mann oder eine Frau zu lieben bräuchten? Wie wird etwas zum Mangel das an sich allgegenwärtig verfügbar ist?
Wir dürfen theoretisch seit einigen Jahrzehnten alles, aber es braucht noch eine sexuelle Revolution in unseren Köpfen! In unseren Seelen steckt noch die Konditionierung der Vergangenheit. Warum bewerten wir Lüsternheit negativ? Liebesdienerinnen verbinden wir mit Prostitution, statt mit Liebe?

Ein erfolgreicher Mensch ist einer, der attraktiv auf das andere Geschlecht wirkt. Jeder von uns möchte begehrenswert sein, anziehend, attraktiv. Wir machen uns hübsch für das andere Geschlecht, sehen ihm gerne nach und wir lieben es zu lieben und dennoch tun wir es kaum. Warum?
Bei Frauen ist es gesellschaftlich kein Erfolg, viele Männer geliebt zu haben, aber ich habe den Eindruck das ändert sich gerade. Die Angst als „Schlampe“ gesehen zu werden ist noch recht verbreitet und meist überbewertet. Aus meiner Sicht, ist eine Frau die Freude an Sex hat, etwas wunderbares. Im Bett mögen wir Männer es, wenn eine Frau den Sex in allen Spielarten liebt, aber das braucht Erfahrung. Bei Männern ist es umgekehrt, wenn er viele Frauen hatte, gilt er eher als Erfolgreich, aber irgendwie muss ja beides zusammenpassen 😉

Sex und Liebe

Sex sollte immer mit Liebe verknüpft sein, aber wer sagt, wie die Liebe beschaffen sein muss?
Kommt in einem nächtlichen Abenteuer, zwingend keine Liebe vor? Ist eine Freundschaft, nicht auch eine Form der Liebe? Nicht zu unterschätzen ist die belebende Wirkung von spontaner Erotik. Jede Liebe ist anders und die Liebe die sich auf den ersten oder zweiten Blick einstellt, mag nicht so tragfähig sein, aber es ist Liebe.
Sex muss deshalb mit Liebe geschehen, weil er sonst zum Handel wird, es entsteht dann keine intime Verbindung, es kommt zu Selbstbefriedigung mit einem anderen Körper. Hier ist die Grenze zu ziehen, was nicht sein soll, darüber ist man sich im allgemeinen Einig und so bestätigt es die Erfahrung. Sex ohne Liebe, führt hinterher zu einem Gefühl der Leere und zu Energieverlust. Wir spüren ganz genau, was stimmig ist und was nicht, spätestens hinterher.
Abgegrenzt werden müssen all diese Gedanken also von einer Beliebigkeit im Sex und vom triebhaften Sex, des Tieres in uns. Wahllos Sexpartner zu haben, ist nicht gesund und darum geht es hier nicht. Dieses Wahllose, wie manche sich heute Verhalten, ist nicht von Liebe getragen und es führt zu energetischem Chaos im Körper.1)Jede sexuelle Erfahrung mit einem Menschen, lässt eine intensive energetische Verbindung entstehen. Wenn es derer viele sind, ohne sich dessen Bewusst zu sein, entsteht eben jenes energetische Wirrwar, Verflechtungen und gegenseitige Beinflussungen. Das Triebhafte wiederum, bedient den tierischen Anteil in uns und zieht zurück zum Tierhaften. Dieses Animalische läuft der Entwicklung zum höheren Menschen, Kultur und Spiritualität entgegen, das ist Allgemein unwidersprochenes Verständnis von Kundigen. Solch Triebhaftes verlangen des Mannes, wird instinktiv von den meisten Weibchen abgelehnt. Es kommt natürlich ebenso bei Frauen vor, doch haben diese ihre Sexualität allgemein stärker in der Hand, sowie unterdrückt, als das unbewusste Männchen.

In Sachen Sex halte ich viele Männer für emotional zu oberflächlich und die Frauen für tendenziell zu zögerlich. Hinter beidem stecken Ängste, oder? Hier dürfen wir dazulernen und uns entgegenkommen, damit es für jeden ein tief berührendes Erleben wird und mehr Lebensfreude nach unseren Begegnungen zurück bleibt.

Abgewehrte Erotik

Das Intimität Mangelware ist, hängt damit zusammen, dass zu viele Menschen sich ihre erotischen Impulse verbieten. Das tun sie, weil sie vergeben sind oder weil sie „sowas“ als Oberflächlich abwehren, Ängste haben nicht attraktiv genug zu sein oder fürchten als Schlampig wahrgenommen zu werden. Andere meinen zuviel Probleme zu haben oder haben generell ein Problem mit der Kontaktaufnahme, glauben eine Freundschaft würde nur unnötig Kompliziert mit einem sexuellen Verhältnis oder fürchten sich vor der Eifersucht des Partners, wenn sie mit einem Freund kuscheln.
Gerade die Eifersucht ist ein großes Hemmnis und das Festhalten am monogamen Ideal befeuert sie, obwohl es nicht der Natur der Mehrheit entspricht sich sexuell auf nur einen Partner zu beschränken. Aber auch die Angst ist ein großes Thema. Die Angst vor Nähe, sich selbst zu Begegnen, unsere Kontrolle vor dem anderen Geschlecht aufzugeben und davor etwas falsch zu machen, hält uns ab. Ebenso bestehen Befürchtungen der andere erwartet mehr von mir als ich geben möchte und der Kuss der jetzt Stimmig ist, würde ein versprechen auf Sex beinhalten oder die Intimität des Kuschelns, müsste sexuell werden. Hier ploppt das Thema „Erwartungen“ auf, und die Ungewissheit vor den Erwartungen des anderen. Vielleicht verliebt er sich?

Und so suchen wir uns ständig mannigfaltige Gründe um ja nicht die Freuden der Liebe zu erleben. Wir wehren ständig die Erotik ab, obwohl das knistern immer wieder auftaucht oder die Sehnsucht nach Nähe entsteht. Wir wehren genau das ab, was als Erfolgreich gilt, wenn man es hat und verweigern uns gegenseitig diesen Genuß. Wir nehmen unserer Welt die Farbe, denn was gibt es belebenderes und heilsameres als Nähe, Kuscheln und Sex? Intimität jeder Art ist gesund, erfüllt uns innerlich und hat tiefe Zufriedenheit im Gepäck.

Sex mit Freunden?

Natürlich ist der Sex in einer Freundschaft anders, als der Sex in einer Partnerschaft. Grade diese andere Qualität macht es interessant. Seine sexuellen Fähigkeiten zu erweitern, ist in einer Freundschaft leichter, weil die Ängste darüber zu sprechen was man mag oder gerne ausprobieren würde, geringer sind.
Dagegen steht die Mär, das Sexualität in einer Freundschaft nicht funktionieren würde. Ich glaube das stimmt nicht und es liegt an einer bestimmten Sache. Freunde die miteinander Schlafen versteigen sich oft in einem inneren Film, diesen Freund auf partnerschaftliche Art lieben zu müssen. Das kann natürlich nichts werden, denn es ist eine freundschafliche Liebe. Etwas anderes daraus zu machen, als es ist, funktioniert nicht und führt zur Entzweiung, denn dann sehen wir den Anderen nicht mehr, sondern nur noch unser Bild. Der Grund dafür ist meines Erachtens, das Sex nur mit Partnerschaft verknüpft sein darf, denn so hat uns das die Kirche anno dazumal beigebracht. Diese Prägung wirkt unbewusst durch das Familienfeld unserer Ahnen auf unsere Gegenwart. Machen wir uns das bewusst und bleiben wir aufmerksam, ergibt sich daraus die Chance, solche Prägungen loszulassen und bei unserer Natürlichkeit anzukommen.

Mit Freunden Sex zu genießen hat einige Vorteile. Man kennt sich bereits und hat sich lieben und schätzen gelernt. Ich finde es passend es liebe zu nennen. Jede Freundschaft führt in meiner Erfahrung zunehmend zu einer Liebe füreinander, die oft Bedingungsloser ist, als in Partnerschaften. Durch die geteilte Intimität wächst die Vertrautheit miteinander, was uns zufrieden macht. Das Erfolgsempfinden Sex zu haben, steigert das Selbstbewusstsein. Die Zufriedenheit die wir dadurch ausstrahlen und die sexuelle Entspannung, hilft uns bei der Partnersuche. Ebenfalls ist bekannt, das sexuelle Gewalt durch unterdrückte Sexualität entsteht, also verringert sich auch dieses Potential und vielleicht heilt sie sogar alte Wunden? Soviel Sex zu haben, wie man möchte ist in fast jeder Beziehung belebend.

Bestätigungen in unserer Geschichte

Das soetwas funktionieren kann, ist uns aus dem Mittelalter überliefert. Jedoch in der Form, das die Kirche sich darüber beschwert, das die einfachen Leute im Gesindehaus alle nackt zusammen Schlafen. Als einfache Regel galt, wer sein Hemd anbehielt, wollte nicht behelligt werden. Alle anderen kuschelten und hatten Sex miteinander, wie es ihnen gefiel. Es gehörte zur Kultur unserer Landen, freizügig zu leben und zu lieben, auf Festen und im Badehaus. Das Weib wird als Lasziv beschrieben, der Geschlechtsverkehr war ein Vergnügen das sie aktiv suchte. Es galt als der weiblichen Natur entsprechend und war nicht ungewöhnlich, wenn sich eine Frau beim ersten Treffen hingab.2)- Wer verfolgte die Hexen-Hebammen? Und warum ? Oder Wie die sexualfeindliche Moral in Europa etabliert wurde von Ottmar Lattorf
– Die Vernichtung der weisen Frauen – Heinsohn und Steiger

Wieviele Menschen wünschen sich einen 3er, aber trauen sich nicht, oder finden keine Gelegenheit dazu? Bist du auch einer der vielen?

Die Szene der Swinger, ist vielen zu Oberflächlich und Lüstern. Erotikpartys haben immer wieder nicht genug Stil und Anstand. Ich glaube nicht, das es früher so oberflächlich zuging. Ist aber der Freundes und Bekanntenkreis nicht genau das richtige, für das Aufbrechen der sexuellen Selbstbeschränkung?
Wäre es nicht schön, wenn es so entspannt zuginge, das ein frisches Paar, nach dem wilden herumknutschen sich nicht in ein Zimmer zurückzieht, sondern sich gleich unter den Augen von Freunden vergnügt? Warum nicht mal nebeneinander Sex haben?
Das Problem ist häufig, dass einige Menschen sowas nicht sehen können, weil es sie an den eigenen Wunsch nach Intimität erinnert. Könnten wir das nicht auflösen, durch mehr sexuelle Erfüllung? Wenn jemand eifersüchtig ist, dieser Eifersucht einfach mit Sex begegnen? Denn wer selbst sexuell erfüllt ist, wird kaum Eifersüchtig, oder? Es zeigt sich, in der Beschäftigung mit Eifersucht, dass dahinter meist eine Komponente der verdrängten Lust steckt. Neben mangelndem Selbstbewusstsein, Ängsten nicht zu genügen oder den Partner zu verlieren. All das kann sich mit Sex, mit dem Eifersüchtigen doch nur verbessern?
Vielleicht ist mein Vorschlag ein wenig Radikal, aber was wäre, wenn man die Freundin, die sich wegen Eifersucht ausweint, danach einfach küsst und auszieht?

Es ist weiterhin von den Baderinnen überliefert und auch von den Hebammen und Heilerinnen, dass sie mit Sexualität geheilt haben. In fast allen Berichten über die mittelalterliche Badehauskultur, ob es sich nun um architektonische Darstellungen der Badestuben, oder Beschreibungen des Berufsstandes der Bader und Baderinnen handelt. Überall schimmert die heitere, laszive und derbe Ausgelassenheit der Ereignisse durch, die sich wohl in den Badehäusern zugetragen haben müssen. Es galt, dass ein Mensch im Maien jede Müdigkeit und den einhergehenden Lebensüberdruß „nur verlieren kann, wenn die Menschen am anderen Geschlecht wieder Freude fanden.“3)- Wer verfolgte die Hexen-Hebammen? Und warum ? Oder Wie die sexualfeindliche Moral in Europa etabliert wurde von Ottmar Lattorf
– Die Vernichtung der weisen Frauen – Heinsohn und Steiger

Klingt das nicht nach einer wunderbaren Zeit? Offenbar hat es mal gut funktioniert, all die Lebensfreude und die erotischen Impulse auszuleben und miteinander zu feiern. Offener seinen erotischen Impulsen zu folgen, mehr zu Kuscheln und Intimität zu teilen, führt uns in eine Welt, die emotional wärmer ist, verbundener, bunter und erfüllter. Ich würde gern in so einer Welt leben.

Nackte Körper und der Sex der Anderen

Imgrunde mag es doch quasi jeder, Sex und nackte schöne Körper zu sehen. Warum sehen sich so viele Männer Pornos und anregende Nacktbilder im Internet an? Auch Frauen sehen zunehmend Pornos, je mehr sie ihre eigene Lust nicht mehr einpferchen und sie lesen mit Freude sexuelle Geschichten. In fast jedem Spielfilm kommt Erotik vor, weil wir es mögen das zu sehen.
Wir Menschen sehen es einfach gerne, wenn sich zwei Menschen lieben. Eine Frau mit einem Glied im Mund, das sie Lustvoll umspielt, ist ein wunderbares Bild oder wie sie einen Mann selbstvergessen reitet. Ein Mannsbild wie er die Brüste und den Hals einer schönen Frau küsst und kraftvoll ihren Körper anhebt und sich ihrer bemächtigt, das Muskelspiel des Mannes beim Akt…  Kürzlich hörte ich, wie Reizvoll es für Frauen sein soll, auf einem Mann mit Bauch zu reiten, weil das so wunderbar den Kitzler stimuliert.4)Liebeskunde – Elinor und Andreas Krüger (Leiter der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin) Sind das nicht wundervolle Dinge?

Aber wir verbergen uns, wir enthalten uns gegenseitig das Geschenk, den Sex des anderen zu sehen. Wenn du deiner Freundin in ihrer Lust betrachtest, gibt es etwas schöneres? Alle Menschen sehen wunderschön aus und haben diese besondere Ausstrahlung der Liebe, beim Akt und danach. Niemand braucht Sorge haben, dabei nicht gut auszusehen. Du bist wunderschön, wenn du der Liebe durch deinen Körper Ausdruck verleihst. Sie fließt durch uns hindurch beim Sex und wir schauen im Orgasmus das göttliche. Sex ist eine der schönsten Meditationsformen und eine der spirituellsten Praktiken.

Auch die Blöße eines jeden natürlichen Körpers ist schön. Ich würde gerne öfter nackte Brüste sehen, zum Beispiel am Strand. Die Frauen sind verschieden und jede hat ihre Ausstrahlung, Brustform, Lenden und Figur. All diese Formen sind wunderbar. Und auch dein Gemächt ist nicht zu klein! Die Natur hat es uns gegeben, weil es so stimmig ist und zu uns passt, wie es ist.

Alles da sein lassen, was da ist

Ich habe beschlossen, nicht am allgemeinen Mangel an Intimität teilzunehmen, mich jedem zu öffnen, für den ich Gefühle entwickle und diese körperlich zum Ausdruck zu bringen. Mein Gebot lautet: „Alles da sein lassen, was da ist.“ Aussprechen und handeln wie ich denke und fühle. Meinem Körper nachgeben, wenn er die Nähe eines wohlriechenden Weibes erschnuppert und einen Freund länger umarmen oder kraulen, wenn ich ihn gern habe. Das schließt überhaupt nicht aus, wählerisch zu bleiben, denn für mich, dreht sich alles um die Liebe.

Und sollte dir der einfache Sex wirklich zu oberflächlich sein… schonmal Tantra erlebt?
Sex findet immer noch eine Abwertung, als etwas Verruchtes. Ist es verwerflich, auch auf Sex aus zu sein und Sex zu lieben? Wir sind es selbst die uns das Vergnügen gewähren können. Niemand als wir selbst, hindert uns daran.

Wohl an, in was für einer Welt willst du leben?
Lass dich frei!

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Quellen und Hinweise   [ + ]

1. Jede sexuelle Erfahrung mit einem Menschen, lässt eine intensive energetische Verbindung entstehen. Wenn es derer viele sind, ohne sich dessen Bewusst zu sein, entsteht eben jenes energetische Wirrwar, Verflechtungen und gegenseitige Beinflussungen.
2, 3. - Wer verfolgte die Hexen-Hebammen? Und warum ? Oder Wie die sexualfeindliche Moral in Europa etabliert wurde von Ottmar Lattorf
– Die Vernichtung der weisen Frauen – Heinsohn und Steiger
4. Liebeskunde – Elinor und Andreas Krüger (Leiter der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin)

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