Leben wir wirklich in einem Patriarchat? – Der künstliche Geschlechterkampf

Ein absolutes Dogma und Grundlage des Feminismus: „Wir leben in einem Patriarchat und nun seht was es in der Welt angerichtet hat, die Männer sind Schuld“ oder so Ähnlich wird es Sinngemäß verbreitet und geglaubt. Ein zentraler Angelpunkt vieler Ansichten, doch stimmt er wirklich?
Ich bin diesem Gedanken bei Oliver Ritter in Magische Männlichkeit und im Eisenhans von Robert Bly begegnet und habe ihn weiterverfolgt.

Ist die heutige westliche Industriegesellschaft matriarchalisch oder patriarchalisch? – Zumeist wird ihr patriarchaler Charakter hervorgehoben, mit der Begründung, daß Männer alle entscheidenden Einrichtungen wie Handel, Verwaltung, Armee, Kunst, Wissenschaft, Technik usw. geschaffen hätten. Besonders die rasant um sich greifende Technisierung wird in ihren gefühllos-mechanistischen Abläufen als männlich, ja hypermännlich gewertet. Andere meinen, daß gerade die Perfektionierung der Technik, die Aufhebung von Initiative und Wagemut zugunsten umfassender Sicherheit, Obhut und sozialer Versorgung ein extrem mütterliches Klima geschaffen habe. Auch daß immer mehr Frauen in bisher unangefochten männliche Positionen aufsteigen, wird als »Wende« und »Sturz« des Patriarchats deklariert.
Wieder zeigt sich die Notwendigkeit, die Begriffe zu klären. Spricht man von Machtverteilung und Quotenregelung oder geht es um eine bestimmte Struktur? Legt man die traditional ausgewiesenen Merkmale zugrunde, wird man an unserer Gesellschaft ebensowenig matriarchale wie patriarchale Züge entdecken können. Was auffällt, ist ihre hermetische Abschließung gegen jede Art »höherer Wirklichkeit« und geistige Autorität, die gerade die formtreibende Kraft des Patriarchats ausmachte. Andererseits kann man in der programmatischen Nivellierung und Ausrichtung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ebensowenig das Ideal einer besonders erdnahen Lebensweise erblicken, eher die ausbeuterischen Interessen einer globalen Profitmaximierung. Bleibt man nicht auf der Ebene bloßer Allegorien, Proporzhanseleien oder parteilicher Zuweisungen (männlich = ausbeuterisch), muß tatsächlich gesagt werden, daß unsere »Kultur« in bemerkenswerter Weise jenseits von männlich und weiblich steht.

…schreibt Oliver Ritter 1)Ritter, Oliver: Magische Männlichkeit – Mann-Sein aus initiatischer Sicht, 2001, „Ursachen der Entmännlichung in der Industriegesellschaft“ S.20f und gab mir damit den Anstoß mir dieses Thema genauer zu betrachten.

Es erscheint für viele bedeutungslos, doch bei einem zweiten Blick gewinnt diese Frage an Bedeutung. Wir leben in einer Zeit, in welcher nicht nur das Weibliche abgewertet wird, sondern ebenfalls alles Männliche.
Es braucht stets beide Polaritäten – Anspannung & Entspannung, Elektrisch und Magnetisch, Feuer & Wasser. Der Mensch verkörpert diese Prinzipien und eines davon als schlecht oder nieder zu Bewerten bringt uns aus dem Gleichgewicht und macht zudem überhaupt keinen Sinn. Ein Mann der das Patriarchat und damit Männlichkeit an sich ablehnt, weil er ein völlig falsches Bild davon hat, lehnt sich selbst ab und findet nicht in seine Kraft. Die Verwirrung der Begriffe und Vermischung der Archetypen spiegelt sich in der Verwirrung der Geschlechter und allgemeinen Orientierungslosigkeit wieder.

Die Demütigung des Phallischen

Es ist schwierig etwas allgegenwärtiges wahrzunehmen und viele bemerken die ständige Abwertung des Männlichen nicht. Männer sind Schuld an Kriegen, sie taugen nichts, sind gewalttätig, schlechte Väter und eigentlich überflüssig, wird kolportiert.

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Metaphysisch ist unser Körper das Abbild des überwiegend vorherrschenden Prinzips. Frauen haben nicht nur den weiblichen Archetyp in sich und Männer nicht nur den männlichen, doch die jeweilige Energie dominiert in verschieden starker Ausprägung.
In der Regel fühlen sich Menschen wohler und finden in ihre Kraft und ihr Selbstbewusstsein wenn sie ihre innere Natur zum Ausdruck bringen.
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Aus urprinzipieller Sicht hat die männliche Kraft sowohl die Aufgabe zu Zerstören als auch Aufzubauen (stirb & werde), während das weibliche Prinzip den Schoß, die Basis bildet und das geschaffene Erhält und Gedeihen lässt. Kriege und Konflikte sind dabei nichts männliches oder weibliches, sondern beide haben ihn auf verschiedenen Ebenen. Der Mann eher im Außen und in direkter Konfrontation sehr sichtbar 2)Urprinzipieller Bezug: Mars und das Weib hat ihn im Zwischenmenschlichen, indirekt und auf Umwegen 3)Urprinzipieller Bezug: Pluto.
Die Ursachen für die großen und ständigen Kriege sind m.E. woanders zu suchen.

Siehe „Der verratene Himmel: Rückkehr nach Eden“ von Dieter Broers oder „Auf ein Wort – Eine Reise zum Gipfel der Philosophie“ von Rudi Berner

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Im Folgenden geht es um die strukturelle Betrachtung unserer Gesellschaft aus der ich Grundzüge heraus greife und mit dem Archetyp des Männlichen und dem ursprünglichen Patriarchat vergleiche. Dabei kann ich jedoch nicht in der tiefe auf jeden Archetyp eingehen, hierzu bitte ich die Literatur zu bemühen)

Ein wichtiges Merkmal des Patriarchats sind Hierarchien
Was wir in der Welt sehen sind Hierarchien aufgrund von Dienstalter, Vetternwirtschaft, Egoismus oder Betrug und fast immer wird sie mit weltlicher Macht durchgesetzt. Im natürlichen männlichen Archetyp geht es um natürliche Autorität die sich an den Fähigkeiten und einer inneren Klarheit sowie Gegenwärtigkeit misst.
Eine gesunde männlich organisierte Hierarchie ist dynamisch und davon geprägt, dass der einzelne durch seine individuelle Höherentwicklung seine Position findet und die Führung je nach Situation wechseln kann, wenn etwas in einen Kompetenzbereich fällt, in dem Einer besondere Befähigung erlangt hat. Die Hierarchie von der ich spreche wird allgemein als natürliche Hierarchie bezeichnet, manchmal ergänzt durch Heterarchien.
Aus Befähigung, Ausstrahlung, Gegenwärtigkeit und Klarheit entsteht erst männliche Autorität. Im Allgemeinen kennt man solche natürliche Autorität nicht mehr und der Begriff hat deshalb ein Abwertung erfahren. Hierarchien funktionieren gerade nurmehr mit der Durchsetzung weltlicher Macht und sind starr und geprägt vom kleinen Gernegroß.

Ein weiteres Merkmal ist die suche nach einer höheren Wirklichkeit, nach den Prinzipien hinter den Dingen und Vervollkommung der eigenen Fähigkeiten.
Etwas durchdringen und verstehen, dieser männliche Zug zeigt sich am Auseinander nehmen von Technik, am Forschen und wenn es sich in höhere Ebenen weiterentwickelt geht es um die Sinnfragen der Welt, um Lösungen, Philosophien und Methaphysik. Der Mann strebt gerne weiter, in die Ferne oder nach Verfollkommung der eigenen Fähigkeiten und nach Höherem.
Diese sehr individuelle Impuls wird durch Gleichschritt, Maschinentakt und Massenproduktion in enge Schranken gewiesen. Kreativität, das Verstehen und Durchdringen wird völlig versagt und etwas „höheres“ existiert vorgeblich noch nichteinmal mehr.

In die selbe Kerbe schlägt die Gleichmachung. In der Schule werden alle nach einheitlichen Systemen benotet, ebenso in Firmen und Ämtern. Manche sprechen gar von (schulischer) Indoktrinierung. Inzwischen werden sogar Männlich und Weiblich gleichgemacht (Gender-Mainstream). Auch hier widerspricht es dem streben des männlichen Archetyps, höheres zu erreichen und individuell in etwas hervorragend zu werden. Nach Höherem zu streben und sich zu überwinden, ist jedoch eine zentrale männliche Aufgabe & Bedürfnis. In manchen Facetten ist es noch sichtbar, dann wenn es um Sport geht, darum einen Berg zu erklimmen oder einen Marathon zu laufen und auf der sog. Karriereleiter.

Maschinen-Takt, Regeln, Absicherung
Damit, dass wir in der Industriegesellschaft einem (Maschinen-)Takt folgen müssen, sowie die vielen Regeln und Absicherungen, geht es weiter. Hier wird jeder Wagemut und Initiative ausgeschlossen, welche den archetypischen Mann auszeichnet. Aber zumindest wenn es Nachts an den Mülltonnen rumpelt oder etwas anderes beunruhigendes vor sich geht, wird von Männer noch gefordert, wagemutig Licht ins sprichwörtliche Dunkel zu bringen. Gerne ergreifen wir Männer die Initiative und mögen es, anderen Schutz und Orientierung zu bieten, indem wir Stellung beziehen.

Einweihungen, Initiation, Selbstüberwindung
Ein überliefertes Merkmal des Patriarchats waren stets Einweihungen, Initiationen in das Mann sein, bei dem das Kind durch eine Prüfung und Selbstüberwindung in die Männergemeinschaft aufgenommen wird. Soetwas findet nicht nur nicht statt, sondern wir haben das Gegenteil, einen Jugendwahn in welchem keiner Erwachsen werden will oder soll. Immer jung, dynamisch, gutaussehend, das Leben darf nicht das Gesicht mit Falten zeichnen, Lebenserfahrung ist nichts Wert und Altern ein Gräuel. Jedenfalls wird es uns so verkauft und viele Folgen. Gerade Männer bleiben dadurch oft ein Leben lang Kind, denn Frauen können ihre Initiation mit der ersten Schwangerschaft erleben und öfter gelingt sie auch. Mit ihrer ersten Blutung, werden sie jedoch genausowenig in die Gemeinschaft der Frauen aufgenommen, wie es früher Brauch war.

Das horten sinnlosen Wissens
Des weiteren ist die „Wissensgesellschaft“ zu betrachten, in welcher sinnloses Wissen gehortet wird.
Tatsächliches Wissen, das durch einen Prozess des Nachsinnens und Erlebens zur Erkenntnis reifte, ist unerwünscht. Auch hier wieder das Unreife, das Jugendliche und weder höhere Wirklichkeit, noch individuelles streben nach Höherem wird gefördert. Verantwortliches Selberdenken, dass dann die eigenen Werte mit männlicher Kraft zum wohle aller vertritt und schützt, ist künstlichen Autoritäten und Gesetzestexten gewichen und hat so seine Lebendigkeit eingebüßt.

Was dem Mann am häufigsten vorgeworfen wird, ist Krieg und Zerstörung zu verursachen, was durch die Technik hervorgerufen wäre. Es ist den meisten nicht im Bewusstsein, dass das letzte Jahrhundert ebenfalls eine Technik hervorgebracht hat, welche nicht zerstört. Als Erfinder sind hierbei Viktor Schauberger, Nicola Tesla und Wilhelm Reich besonders hervorzuheben aber es sind eine Vielzahl mehr. Technologien welche in Schubladen verschwanden und heute langsam wiederentdeckt werden oder eher, nicht mehr versteckt werden können.

Was wir haben würde ich als Materialismus bezeichnen und als Teile und Herrsche Spiel weniger mächtiger. Was wir leben hat weder Züge einer Männerherrschaft noch einer Frauenorganisation.

Robert Bly schreibt hierzu:

Der Tod des Heiligen Königs und der Heiligen Königin bedeutet, dass wir heute in einem industriellen Herrschaftssystem leben, das kein Patriarchat ist. Das System, in dem wir leben, hat weder Erfrurcht vor der männlichen Art zu fühlen, noch vor der weiblichen. Das industrielle Herrschaftsystem bestimmt, wie es uns in einer Welt der Rohstoffe, Werte und Pflichten ergeht, welche Tiere leben dürfen und welche sterben müssen, wie Kinder behandelt werden. Und in der Seinsweise der industriellen Herrschaft gibt es weder einen König noch eine Königin.4)Bly, Robert: Eisenhans – Ein Buch über Männer, Taschenbuchausgabe 1993, Kapitel 4 Der dunkle Vater S.143

Weil es Patriarchat genannt wird was wir leben, lehnt der Mann sich selbst ab, bleibt schwach und er kann seine Kraft und seinen Wagemut nicht einbringen um etwas zu ändern. Solch eine „Falschetikettierung“ findet in vielen Bereichen Anwendung, sie muss nur durchschaut werden. Wahre Männlichkeit ist quasi verschwunden, seit vor 500 Jahren der Materialismus gewaltsam durchgesetzt wurde.
Jetzt darf und kann die Geschlechteridentität wieder neu entdeckt werden, Männlichkeit wie Weiblichkeit, beide haben ganz ähnliches Durchgemacht. Der Geschlechterkampf ist künstlich, womöglich damit eine dritte Partei ungestört ihre Weltherrschaftspläne verwirklichen kann? Nur schwache, ängstliche, entwurzelte Menschen kann man beherrschen und für fremde Zwecke einspannen. Wenn ich mich umsehe was allein in den letzten Jahrzehnten geschehen ist, oder wenn ich Aldous Huxley’s „Schöne neue Welt“ mit der Gegenwart vergleiche…

Jahrhundertelang wurden Mann und Frau geschickt gegeneinander ausgespielt, das Ergebnis ist uns allen gegenwärtig. Nur hat es eben nichts mit dem Patriarchat zu tun, auf welcher der Unmut gelenkt wird, damit sich die Gesellschaft selbst schwächt indem sie die Männer beschuldigt. Mit dem Ergebnis das Männlichkeit abgelehnt wird, weil es mit Attributen versehen wird die nicht Stimmen oder mit dem Schatten von Männlichkeit verglichen wird, wie dem gefühlskalten Macho oder dem gleichgültigen Soldaten.

Was tatsächlich gelebte und ausgeglichene Männlichkeit sein könnte, ist nicht mehr bekannt. Nicht anders bei der Frau: Eher unbewusst wertet sie die Weiblichkeit oft selbst ab und versucht männlichen Idealen zu entsprechen und ihre eigenen geschlechtsspezifischen Impulse werden unterdrückt. Widersinnigerweise strebt sie nach etwas, das sie ebenso ablehnt und versucht ein besserer Mann zu werden. Der Mann soll zugleich weibliche Rollen übernehmen. Warum leben wir nicht einfach wieder unsere eigene Natur? Machen wir uns doch ganz neu auf die Suche nach uns selbst und machen uns bewusst, dass Männlichkeit oder Weiblichkeit etwas ganz anderes sind, als wir heute kennen. Machen wir uns frei und gehen nach innen. Es ist meiner Erfahrung nach erfüllender und viel weniger anstrengend und kann darüber hinaus zu eine positive Herausforderung werden, besonders für den Mann, der dieses „sich selbst überwinden“ liebt. Nur geht es hier nicht darum etwas zu bezwingen, sondern in sich anzukommen und in sich zu ruhen. Fest zu sich stehen, gegen äußeren Ansturm und Meinungen oder was auch immer auf uns Männer einbranden mag. Dort kann der Mann seine Aufgabe des Schützens wieder erfüllen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Debatte um „die bösen Männer“ ist die Tatsache das die Kinder in der Hauptsache von Frauen aufgezogen werden. Die Mutter ist erstmal die nächste Bezugsperson für ein Kind, danach folgen Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen. Die Berufe rund um den Menschen und alles Soziale sind allgemein vor allem Weiblich besetzt und dort lernen die Jungen wie es in der Welt läuft. Insofern sind die Frauen wesentlich daran beteiligt was für Männer später heranreifen. Ich möchte mit diesem Gedanken die Geschlechter nicht wieder Spalten sondern an die Selbstverantwortung erinnern, die jeder von uns hat.
Es bringt keinen von uns weiter, auf den anderen zu Projizieren und dort eine Schuld zu suchen. Der Blick in das eigene Spiegelbild lässt so vieles erkennen das wir zuerst bei uns ändern können. Wir selbst sind die einzigen die wir ändern können und mit etwas Glück inspirieren wir andere, es ebenfalls zu tun. Anderen Schuld zu geben ist so einfach, in den Spiegel zu sehen nicht, doch nur Zweiteres bringt uns weiter.5)siehe z.B. Das Schatten Prinzip von Rüdiger Dahlke

Plakativ gesagt haben wir uns doch bewiesen:
Frauen sind nicht schwach und Männer haben auch Gefühle.
Lassen wir Frauen wieder weiblich sein und Männer wieder männlich und ergänzen einander.

Eingeflossene Literatur über das Verständnis der Archetypen von Mann & Frau

Eisenhans – Ein Buch über Männer von Robert Bly
Männlichkeit leben: Die Stärkung des Maskulinen von Björn T. Leimbach
Weiblichkeit leben: Die Hinwendung zum Femininen von Leila Bust
Magische Männlichkeit. Mann-Sein aus initiatischer Sicht von Oliver Ritter
Mysterium Weib: Das verborgene Wesen der Frau von Oliver Ritter
Das Eva-Prinzip von Eva Herman
Die Sehnsucht der starken Frau nach dem starken Mann von Maja Storch
Der Weg des wahren Mannes: Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität von David Deida.

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Quellen und Hinweise   [ + ]

1. Ritter, Oliver: Magische Männlichkeit – Mann-Sein aus initiatischer Sicht, 2001, „Ursachen der Entmännlichung in der Industriegesellschaft“ S.20f
2. Urprinzipieller Bezug: Mars
3. Urprinzipieller Bezug: Pluto
4. Bly, Robert: Eisenhans – Ein Buch über Männer, Taschenbuchausgabe 1993, Kapitel 4 Der dunkle Vater S.143
5. siehe z.B. Das Schatten Prinzip von Rüdiger Dahlke

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