Was ist Schattenarbeit?

Lesedauer 7 Minuten

Ein gewichtiger Teil in der Selbstentwicklung und Aufdeckung ist die Arbeit mit dem Schatten welche sich aus der Polarität ergibt. In der Polarität müssen wir uns stets für eine Seite entscheiden. Dadurch fällt die andere Seite stets in einen Schatten des Unbewussten, nicht betrachteten. Schattenarbeit bedeutet, den Weg den ich nicht gegangen bin, der Polar gegenüber liegt, ebenfalls zu gehen. Dorthin zu sehen, wo ich bisher nicht hingesehen habe. Das bringt uns wieder ins Gleichgewicht.

Was ist der Schatten?

Bei dem sog. Schatten, der erstmals von C.G. Jung als das „Unbewusste“ geprägt wurde handelt es sich um Themen welchen wir aus dem Weg gehen, sie also nicht mit dem „Licht“ unserer Aufmerksamkeit ansehen wollen. Der „Schatten“ ist das angstmachende Unbekannte, das oft als „das Böse“ diffamiert wird und aus dem Feindbilder entstehen.
Der Schatten bindet sehr viel Energie welcher zu seiner Aufrechterhaltung benötigt wird und je länger wir „weg schauen“ desto größer pflegen solche Schatten zu werden, bis sie uns eines Tages z.B. in Form von Schicksalsschlägen, Krankheiten, Alpträumen, Süchten, Unfällen oder unkontrollierten Ausbrüchen begegnen oder uns gar vollständig überwältigen. Wir sagen in solchen Momenten, das wir „nicht ganz bei uns waren“ und verstehen oft gar nicht, wo das nun hergekommen ist.

Rund ein drittel der Bevölkerung unserer sauber aufgeräumten und sorgsam von Dämonen und Aberglauben befreiten Welt, erlebt einmal im Leben eine Psychose und wird damit Opfer eines verdrängten Schattens 1)Das Schatten-Prinzip: Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite von Rüdiger Dahlke, S.27
Die Beschäftigung mit den eigenen Schatten ist äußert wertvoll, denn hieraus kann enorme Energie & Lebensfreude frei werden, Gesundheit kann sich einstellen oder ein entspannteres Sein mit weniger Feindbildern entsteht. Es steckt meines Erachtens ein enormes Potential in dieser Betrachtung, welcher ich seit vielen Jahren mit viel Freude folge.

Durch die Polarität müssen wir uns stets für eine von zwei Seiten entscheiden. Nicht zu entscheiden ist ebenfalls eine Entscheidung oder führt dazu, das über uns entschieden wird. Wir sind außerstande „nicht zu Handeln“, wir sind gezwungen zu Wählen, eine Nichtwahl gibt es nicht.
Durch die Entscheidung für eine Seite entscheiden wir uns zugleich gegen eine andere, die somit in den Schatten fällt. Das ist an sich noch kein Problem, doch neigen wir dazu, uns einseitig immer wieder vor allem für eine Seite zu entscheiden und sagen zu gewissen Dingen stets „Nein“. Das ist die Seite die wir vielleicht mit dem Guten verbinden oder von der wir durch die Gesellschaft gelernt haben, das wir sie wählen müssen oder es ist uns einfach das Vertrautere. Das Andere wäre unbekannt und das unbekannte ist uns Grundsätzlich suspekt und mit Ängsten belegt, eben einfach weil es noch Fremd ist. Es braucht hier den Mut, neue Wege zu gehen, etwas anders zu machen als bisher, einen anderen Standpunkt einzunehmen.

Es ist ja nicht so, das wir als weißes Blatt zur Welt kommen. Zum einen ist da eine Vorprägung durch die Zeitqualität in die wir geboren werden, die sich durch ein Geburtshoroskop verstehen lässt und Aufgaben für uns bereit hält. Wir bringen eine Idee mit und wir haben eine Lernaufgabe, was mit den Mondknoten beschrieben wird. Andererseits sind da die Eltern mit ihren Schattenthemen, das Familienfeld und die Taten und das Denken der Ahnen die Einfluss auf uns haben. Das führt also schon von Anfang an dazu, das wir gewisse Dinge bevorzugen und andere ablehnen.

Wenn nun ein solches Schattenthema immer größer wird, dann macht es auf sich aufmerksam. Das ist erkennbar durch Fehlleistungen im Alltag, Versprecher, Feindbilder, Krankheiten und schlussendlich Schicksalsschläge. Dort schlägt uns das Schicksal, weil wir so lange seine Hinweise ignoriert haben, und lässt uns keine Wahl mehr, den Schatten nun endlich anzusehen. Es lohnt sich also, es freiwillig zu tun.

Gesellschaftlich verdrängen wir Schatten auf extreme Weise. Wir haben Medikamente um den körperlichen Ausdruck von Schattenthemen zu unterdrücken, wir haben uns kollektive Feindbilder geschaffen, politisch sind das die „rechten“ oder für andere die „linken“ oder christlich religiös die Hölle und der Teufel.
Wir haben uns im Laufe der Zeit so viele Feindbilder geschaffen und diese werden noch zusätzlich massenpsychologisch absichtlich zur Steuerung der Gesellschaft eingesetzt. Das bestärkt Feindbilder und festigt sie, statt sie aufzulösen, was Frieden brächte.

Gemeinsam ist, dass es immer um einen Kampf geht – sei es nun der Krebs der bekämpft wird, die Ideologie eines einzelnen oder ganzen Volkes, der Teufel oder der Nachbar der irgendetwas tut was das eigene Schattenthema trifft – und die Selbstverantwortung wird abgelehnt.
Es wird verteufelt und diesem alles in die Schuhe geschoben, früher waren da auch noch Dämonen oder man warf es symbolisch auf einen realen Sünden-Bock. Heute hat das „Verteufeln“ vielfältige Züge angenommen und Psychologen nennen das ablehnen von Schuld und Verantwortung die Projektion.2)lat. Proicere = hinauswerfen, nach vorn werfen, hinwerfen Das führt jedoch zu keiner Lösung sondern verschiebt das Problem nur und macht es immer stärker und mächtiger bis es Lebensbestimmend wird. Zudem diese Haltung zwischenmenschliche Probleme Grundsätzlich unlösbar macht, wenn es stets nur beim anderen und nie bei sich selbst gesehen wird.

Früher brachten die Auseinandersetzung mit den Schattenthemen, unsere Mythen und Sagen zum Ausdruck. Der Kampf der menschlichen Helden mit dem dunklen Gegenspieler oder Untier ist eine klassisches Thema. Die bösen Scheusale werden von Helden bekämpft, die über sich selbst hinaus wachsen. Sie tun es stellvertretend für uns alle und zeigen im übertragenen Sinne bereits auf, wieviel Schätze dabei zu gewinnen sind.

Wir kommen nicht um die Konfrontation mit dem Schatten herum, wir haben lediglich die Wahl, wie wir damit umgehen. Wenn jemand lange ein bestimmtes Thema stets verneint und jede Schuld auf andere schiebt, neigt der Schatten dazu, sich zu verselbstständigen und derjenige wird in der Regel genau zu dem was er bekämpft hat. Er wird eben dieses Verhalten zeigen, welches er zuvor so vehement abgelehnt hat.
Wir müssen den Schatten nur finden, uns ihm stellen, und damit ist der Schatten schon so gut wie besiegt – dann werden aus den quälendsten Feinden, unsere besten Freunde. Was den Schatten auflöst, ist hinsehen, ins Bewusstsein holen.

Schattenarbeit

Jeder kann eine Selbstanalyse machen und schauen, welche Schattenthemen er hat. Sammle einfach was dich an anderen stört, was du in der Welt ablehnst und anderen vorwirfst. All das enthält deine Schattenthemen, je extremer die Reaktion auf jemanden der diesem Schattenthema entspricht, desto größer ist Dieser.

Der Anfang kann etwas schwierig sein, denn sich etwas zuzuwenden das man bisher so konsequent verdrängt und verneint hat, braucht Kraft und Mut. Es ist eine Selbstbegegnung der tiefsten Art und gerade bei den ersten Schritten tauchen viele scheinbare Gründe auf, sich davon wieder abzuwenden.

Es ist ein Wagnis sich diesem Thema zuzuwenden und du solltest mit einer gewissen Entschlossenheit heran gehen, denn es wirkt im ersten Moment schnell hart und unangenehm, wenn es ans Eingemachte geht. Andererseits kannst du jederzeit wieder den Blick von deinen Schatten abwenden. Naturgemäß ist ein Widerstand zu überwinden, sich seine Schatten anzusehen, davon abzulassen, ist viel einfacher.
Und so vermeiden die meisten Menschen diesen Weg lieber und bleiben im flachen Wasser, blicken in die Sonne, lassen sich blenden und stolpern von Schatten zu Schatten ohne sich zu erkennen.

In der Regel ist keine Hilfe und Verständnis von deinem Umfeld zu erwarten, deshalb bewährt es sich, nicht viel darüber zu sprechen oder nur mit Menschen welche dieses Schattenspiel bereits durchschaut haben oder wenn der Partner oder ein Freund das selbe Ziel haben.
Der Gewinn der sich daraus ergibt ist enorm. Die Arbeit ist zwar nicht die einfachste, aber sie trägt große Früchte. Die Befreiung, der enorme Energiezuwachs und der innere Friede der sich daraus ergibt, sind die Anstrengungen auf jeden Fall Wert. Zudem ist diese Arbeit an sich genau genommen Alternativlos.
Wir stellen uns Freiwillig oder wir gehen den noch härteren Weg und unser Leben zwingt uns dazu. So oder so lernen wir. Wer es zu lange aufschiebt, läuft dabei Gefahr, völlig außer sich zu sein oder es so unerträglich zu finden, das der Selbstmord eine Verlockung darstellt. Das aufschieben führt nicht selten zu Depressionen oder Burnout, zu Langeweile und dem Gefühl der Unerfülltheit. Wir sind auf der Erde um zu lernen, ich glaube wir wollten das so und unser höheres Bewusstsein konfrontiert unser kleines Bewusstsein, wenn dieses sich nicht daran erinnern mag, was man sich vorgenommen hat.
Je mehr wir unserem Lebensplan folgen, verwirklichen was das Leben von uns fordert, desto Erfolgreicher und Zufriedener läuft das Leben. Wer Unsicher ist, was die eigenen Aufgaben sind, der möge sich der Astrologie zuwenden. Sie ist ein hervorragendes Werkzeug für dieses Unterfangen.


Das Schatten-Prinzip – Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite
von Rüdiger Dahlke

… begleitet den Leser auf dieser inneren Reise, auf der Suche nach sich selbst und den ängstigenden Anteilen und Themen die wir an uns und anderen ablehnen. Es ist ein Lebensbegleiter, ein Arbeitsbuch der inneren Dimension und stetige Erinnerung oder Orientierung bei auftauchenden Fragen.

Facebooktwittergoogle_plusmail

Quellen und Hinweise   [ + ]

1. Das Schatten-Prinzip: Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite von Rüdiger Dahlke, S.27
2. lat. Proicere = hinauswerfen, nach vorn werfen, hinwerfen